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12. Fehler: Keine Höhepunkte!

Wie wird meine Präsentation zu einem Highlight?

Dr. Joachim von Hein, seit 20 Jahren staatlich bestellter Prüfer und Dozent, antwortet:

Viele Kandidaten übersehen, dass ihre mündliche Prüfung viel Ähnlichkeit mit einem Theaterauftritt hat. Es geht um Inhalte und zugleich um eine gute Show. Dabei spielt die Persönlichkeit der Kandidaten, ihr Auftreten und ihre Visualisierungen teilweise eine genauso wichtige Rolle, wie der Inhalt der Abschlussarbeit.

Das heißt, eine spannende und anregende Darstellung wertet ein langweiliges und rein deskriptives Thema auf. Ebenso büßt ein interessantes Thema durch eine misslungene Präsentation an Aufmerksamkeit ein.

Beispielsweise gelingt es manchen Prüflingen, äußerst anregende und ungewöhnliche Fotos von alltäglichen Vorgängen anzufertigen, beispielsweise von praktischen Versuchen. Diese Aufnahmen fesseln die beiden Prüfer. Sie übersehen, dass der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn daraus nur gering ist. Die Show drumherum hat die Aussagekraft der Thesis überlagert.

Nach den Erfahrungen des Verfassers sind solche visuellen Highlights eher Ausnahmefälle. Häufig bleiben die „Goldkörner im Heuhaufen“ vieler Bachelor- oder Masterarbeiten unentdeckt. Die Prüflinge selber sind oftmals zu bescheiden, um auf solche Besonderheiten hinzuweisen – beziehungsweise sie erkennen gar nicht, dass sie eine neue wissenschaftliche Erkenntnis gewonnen haben, weil sie zu sehr im Alltagsstress stecken. Aus diesem Grund wäre es empfehlenswert, die Ergebnisse der Studienarbeiten mit den Kommilitonen oder auch externen Fachleuten (vertraulich) zu besprechen.

 

Vertraulichkeit ist deshalb wichtig, weil in vielen Prüfungsordnungen vorgeschrieben ist, dass es sich bei den Abschlussarbeiten um wissenschaftliche Leistungen handelt, die zum ersten Mal vorgelegt werden. Wer also etwas präsentiert, was schon einmal vorgeführt wurde, wird unter Umständen abgelehnt werden. Manchmal ist den Prüflingen gar nicht bekannt, dass sie nicht die ersten sind, die auf ein bestimmtes Forschungsergebnis gestoßen sind. Dann gibt es in der Prüfung manchmal (selten!) ein böses Erwachen.

Eigentlich hätte das Prüfungsamt und genauso der Erstprüfer es bemerken müssen, dass ein Thema gar nicht so neu und originell ist. Viele Prüfungsämter sind daher auch recht streng bei der Zulassung selbst gewählter Themen. Viel häufiger ist aber zu beobachten, dass die Prüfungsämter wirkliche Highlights gar nicht entdecken. Sie werden in der Regel nie veröffentlicht und verschwinden in den dunklen Kellern der Hochschularchive!

Der Grund dafür, dass so viele Besonderheiten unerkannt bleiben, ist die Tatsache, dass nur ein einziger Beteiligter die Abschlussarbeit sorgfältig liest und beurteilen kann, das sind die Hauptprüfer. Die Zweitprüfer haben die Einleitung, die Fragestellung und das Fazit gelesen. Den Mittelteil der Thesis haben sie bestenfalls überflogen. Die Folge ist, dass sie echte Entdeckungen, Besonderheiten oder neue Erkenntnisse übersehen.

Der Verfasser hat es bei einer studentischen Forschungsgruppe sogar einmal erlebt, dass die Ergebnisse zum europäischen Patent angemeldet werden konnten – allerdings erst nach vielen Gutachten und aufwändigen (und teuren) Prüfungen.

 

 

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