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7. Fehler: Vernachlässigung des Hauptprüfers!

Wie verhalten sich die Hauptprüfer in der Prüfung?

Dr. Joachim von Hein, seit über 20 Jahren staatlich bestellter Prüfer, antwortet:

90 Prozent der Fragen stellen die Hauptprüfer. Die Prüflinge konzentrieren sich daher auf diese Person sowohl mit ihrem Vortrag als auch mit den Antworten auf die Fragen. Diese Hauptprüfer sind zugleich auch die Erstgutachter. Sie machen in aller Regel den ersten Vorschlag für eine Abschluss-Note am Ende des Kolloquiums. Bei ihnen einen guten Eindruck zu hinterlassen, ist das zentrale Ziel der mündlichen Prüfung.

Die Hauptprüfer lassen sich in der Regel begrenzt auf Absprachen ein. Sie verabreden mit den Prüflingen beispielsweise, dass sie nach dem Vortrag zuerst eine Aufwärmfrage zum Entstehen der Arbeit stellen, dann beispielsweise eine oder zwei Frage zu den Details der Vorgehensweise und schließlich nach den Konsequenzen, die sich aus den Ergebnissen der Thesis ergeben. Für die Prüfer werden sich weitere Fragen aus dem Vortrag ergeben, beziehungsweise aus den Antworten in der mündlichen Prüfung.

Wenn die Prüflinge ihre Prüfer gut kennen, weil sie mehrere Vorlesungen bei ihnen belegt hatten, können Sie häufig erahnen, an welchen Stellen Nachfragen gestellt werden. Jeder Prüfer hat bestimmte Vorlieben und Schwerpunkte. Durch geschickte Formulierungen im Vortrag kann es den Kandidaten gelingen, entsprechende Fragen zu provozieren, um darauf vorbereitet zu antworten. Das macht im Kolloquium einen guten Eindruck.

Wenn die Hauptprüfer allerdings den Eindruck bekommen, mit geschickten Formulierungen zu bestimmten Nachfragen provoziert worden zu sein, um einen bestimmten Showeffekt zu erreichen, kann dies im Einzelfall auch negativ bewertet werden. Wie meistens im Leben kommt es hier auf das richtige Maß an: “Allzu viel – ist ungesund”!

In seltenen Fällen lassen sich vereinzelt Prüfer darauf ein, die Fragen mit ihren Prüflingen wortwörtlich abzustimmen. Sofern die Zweitprüfer davon nichts mitbekommen, fällt diese Verabredung nicht auf – es sind allerdings Zweifel angebracht, ob eine solche Vorgehensweise noch als „wissenschaftlich“ zu bezeichnen ist.

In vielen Hochschulen und Universitäten legt das Prüfungsamt eine Höchstzahl von Prüfungen pro Prüfer und pro Semester fest, beispielsweise zehn Examina, um zu vermeiden, dass einzelne Prüfer zu viele Kolloquien durchführen.

Die Hauptprüfer bereiten sich in der Regel sorgfältig auf die mündliche Prüfung vor. Viele legen ihre Fragen schriftlich fest. Diese Fragen wollen sie unbedingt stellen. Sie drängeln, wenn die Prüflinge zu viel Zeit bei allgemeinen Fragen „vertrödeln“ und fordern die Studenten auf, „endlich“ zur Sache zu kommen!

Diese Ungeduld überträgt sich auf die Kandidaten und macht sie nervös. Es ist empfehlenswert, bei der Vorbereitung auf das Kolloquium die Kommilitonen zu bitten, in die Rolle von ungeduldigen Prüfern zu schlüpfen und ein Prüfungsgespräch unter zeitlichen Stressbedingungen zu simulieren.

Manche Prüfer haben bestimmte Lieblingsfragen, die sie unabhängig vom Thema der Abschlussprüfung jedes Mal stellen und bestimmte Antwort erwarten. Die Studierenden kennen diese Lieblingsfragen häufig und geben sie (hoffentlich) an ihre Kommilitonen weiter.

Es ist für die Prüfungsvorbereitung zu empfehlen, auf ehemalige Prüflinge zuzugehen und sie zum Ablauf ihres Kolloquiums zu befragen. Da jeder Prüfer seine Eigenheiten und Besonderheiten hat, ist es sinnvoll, zu jedem Prüfer gesondert zu recherchieren.

Wunderlicher Weise rücken manche ehemaligen Prüflinge nur zögerlich mit Informationen heraus. Die Kandidaten fragen mehrfach nach, bis sie vollständige Informationen bekommen haben.

 

Merke Der ungefähre Ablauf des Prüfungsgesprächs darf abgesprochen werden.

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