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10. Fehler: Zu wenig Rollenspiele!

Wie trainiere ich meine Reaktion auf Prüferfragen?

Dr. Joachim von Hein, seit über 20 Jahren staatlich bestellter Prüfer, antwortet:

Die Prüflinge gehen die häufigsten Fragen bezogen auf ihr Thema sorgfältig durch. Sie legen sich aussagekräftige Antworten zurecht. Empfehlenswert sind dazu Anmerkungen im Zusammenhang mit eventuellen Arbeitgebern der Prüflinge, die dem Kolloquium etwas Authentisches geben. Wenn Kandidaten auf diese Weise mehr persönliches Profil zeigen, sehen das die Prüfer in der Regel positiv.

Sie könnten beispielsweise anmerken: „An meinem Arbeitsplatz habe ich mir schon öfter die Frage gestellt, was hier verbessert werden könnte. Die Ergebnisse meiner Studie geben dazu anregende Hinweise …“

Je häufiger die Kandidaten vorher eine Prüfungssimulation (Rollenspiel mit Kommilitonen) durchgeführt haben, desto sicherer und souveräner werden sie. Umso besser fällt am Ende die Zensur für das Kolloquium aus.

Die Prüfungssimulationen oder das Rollenspiele sind aufzuzeichnen, entweder mit Tonband, Handy oder Kamera. Selbstkritisch ist zu überlegen, wie der Auftritt zu optimieren ist.

Bei diesen Aufnahmen der Rollenspiele ist zu beobachten, dass viele Kandidaten allzu kritisch mit sich umgehen und an Details herummäkeln. Deshalb wäre es wichtig, die Aufnahmen mit anderen Kommilitonen zu besprechen und einen Blick fürs Ganze zu entwickeln. Ganz wichtige ist die optimale Reaktion der Prüflinge auf Fragen.

Bei allen Fragen der Prüfer hören die Prüflinge sorgfältig hin, was gemeint ist. Sie folgen besser nicht gleich dem ersten Impuls oder Stichwort und reden los. Manchmal erschließt sich das eigentliche Ziel einer Frage erst am Ende der Formulierung. Deshalb unterbrechen Kandidaten die Fragensteller nie, sondern hören die Frage aufmerksam bis zum Ende an, selbst wenn sie ahnen, in welche Richtung es geht…

Die Prüfer zu unterbrechen wäre unhöflich. Das stellt im Rahmen einer mündlichen Prüfung eine Provokation dar, die bei den Prüfern nicht gut ankommt. Solche Kandidaten landen in der Schublade „Besserwisser“. Sie dürfen sich über eine strenge Beurteilung nicht wundern.

Das gegenteilige Verhalten wäre viel klüger: Die Prüfer fühlen sich geschmeichelt, wenn die Prüflinge sie aufmerksam anschauen. Sie vermitteln den Eindruck, als dächten sie angestrengt nach, was sie auf die „klugen Fragen“ der Prüfer antworten. Manche Prüfer freuen sich, wenn die Prüflinge überlegen müssen, unsicher sind und sich bei der Antwort „vortasten“. Allzu schnelle Antworten dagegen enttäuschen manche Prüfer, weil sie es den Prüflingen offensichtlich zu leichtgemacht haben.

Bei manchen Prüfern hinterlässt es einen guten Eindruck, wenn die Kandidaten nachfragen, zum Beispiel mit der Formulierung: „Verstehe ich Sie richtig…“ Es gibt Prüfungsordnungen, in denen das ausdrücklich erlaubt ist.

Bei der Antwort ist ein freundlicher Blickkontakt zum Fragensteller wichtig, ohne auf den Fußboden oder in die Luft zu schauen. Die innere Haltung der Prüflinge ist von Zuversicht und Selbstvertrauen geprägt. Dazu gehört ein fester, selbstbewusster Blickkontakt.

Bei den Antworten ist auf eine angemessene Lautstärke zu achten, damit alle Anwesenden die Sprechenden gut verstehen. In der Regel ist das an der Körpersprache der Prüfer erkennbar. Sie neigen sich nach vorne und vergrößern die Ohrmuschel mit der Hand, weil sie akustische Probleme haben.

Auf derartige Signale reagieren die Kandidaten sofort. Sie entschuldigen sich kurz und wiederholen den letzten Satz etwas lauter. Diese Lautstärke behalten sie dann bei.

Merke Unzureichende Akustik verschlechtert die Zensur!

1 thought on “10. Fehler: Zu wenig Rollenspiele!

  1. Mich begeistert der Ratgeber von Dr. Joachim von Hein.
    Die leicht verständlichen Worte und die wertvollen Impulse.
    All seine Informationen beziehen sich für mich auf viele Lebensbereiche.
    Ein Lebensratgeber der sich durch alle Bahnen zieht,
    Mut macht, unterstützt und Wege aufzeichnet, die bisher nicht bedacht worden sind.
    In allen Bereichen des Lebens stehen wir vor Prüfungen. Die Herangehensweise und einen so wertvollen Leitfaden zu haben ist grandios.
    Diesen Ratgeber kann man nur wärmstens weiterempfehlen, was ich hiermit tue!
    Ein großes Danke an Dr. Joachim von Hein

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