Home 16 Tipps > 4. Fehler: Krankheiten Herunterspielen!

4. Fehler: Krankheiten Herunterspielen!

Wie reagiere ich auf die Frage nach meiner Gesundheit?

 

Dr. Joachim von Hein, seit über 20 Jahren staatlich bestellter Prüfer, antwortet:

Die Prüfung beginnt. Die Tür öffnet sich und die Prüflinge betreten den Raum.

Der Hauptprüfer erhebt sich und begrüßt die Kandidaten. Manchmal sind es mehrere Prüflinge, die vor ihm stehen, manchmal ist es nur ein einziger. Es gibt Prüfungen, da werden mehrere oder alle zusammen geprüft oder es handelt es sich um eine Einzelprüfung. Dann werden diejenigen, die nicht sofort dran sind, nach der Gesundheitsfrage noch einmal vor die Tür gebeten.

Als erstes fragt der Hauptprüfer, ob sie sich gesundheitlich in der Lage fühlen, die bevorstehende Prüfung durchzustehen. Die Protokollführer notieren die Antwort.

Wenn Prüflinge antworten: „Nein, eigentlich fühle ich mich nicht so gut!“ fragen die Prüfer noch einmal, ob sie das Kolloquium riskieren, trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung – oder ob der Termin zu verschieben ist, was rechtlich kein Problem darstellt.

Wenn die Prüfung jetzt stattfindet und ein Kandidat scheitert, können die Prüflinge argumentieren, dass dies mit der gesundheitlichen Beeinträchtigung zusammenhing. Das weitere Verfahren ist in den Prüfungsordnungen geregelt.

Vielfach ist ein ärztliches Gutachten vorgesehen, das festgestellt, ob die Kandidaten ihre Krankheit möglicherweise unterschätzten. Der fehlgeschlagene Prüfungsversuch wäre dann ungültig. Die Prüflinge dürften nach ihrer Genesung zu einem neuen Erstprüfungs-Termin antreten, vorausgesetzt die jeweilige Prüfungsordnung lässt das zu.

Ob die Prüfung auch dann zu wiederholen ist, wenn die Prüflinge eine schlechtere Note als erhofft bekommen, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Manche Prüfungsordnungen sehen nur dann eine Wiederholung aus gesundheitlichen Gründen vor, wenn die Kandidaten durchgefallen waren.

Wer eine Krankheit verschweigt, dennoch das Kolloquium riskiert – und scheitert, muss sich die Frage gefallen lassen, warum er auf die Gesundheitsfrage am Anfang nicht entsprechend geantwortet hat. Der Prüfungsversuch wird in diesem Fall in den meisten Fällen gewertet – trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung.

Wer sich also gesundheitlich beeinträchtigt fühlt – und sei es nur durch eine leichte Erkältung, erhöhte Temperatur, Schmerzen oder ähnliches sollte das unbedingt vor Beginn des Kolloquiums zu Protokoll geben. Hinterher kann immer noch entschieden werden, ob ein Antrag gestellt werden sollte, die durchgeführte Prüfung mit Hilfe eines ärztlichen Gutachtens für ungültig erklären zu lassen.

Es ist grundsätzlich zu bedenken, dass akademische Prüfungen eine ungewöhnlich starke Belastung darstellen, weil sie sich in der Regel über mehrere Wochen und Monate hinziehen. Wer hier nicht voll leistungsfähig ist, bekommt fast zwangsläufig eine schlechtere Zensur.

In manchen Berufen bedeutet das eine erhebliche Einschränkung, weil die gewünschte Position nicht erreicht werden kann oder ein Stipendium oder eine spezielle Förderung nur gezahlt wird, wenn eine bestimmte Mindestzensur erreicht wurde.

 

Merke Nur wer gesund ist, bringt in der Prüfungoptimale Leistung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.