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5. Fehler: Zeitverschwendung am Anfang!

Wie beginne ich meinen Prüfungsvortrag?

Dr. Joachim von Hein, seit über 20 Jahren staatlich bestellter Prüfer, antwortet:

Die Hauptprüfer wünschen den Kandidaten nach der Begrüßung viel Erfolg, übergeben ihnen das Wort und setzen sich hin. Nun stehen die Prüflinge im Rampenlicht!

1. Sie nennen ihren Namen und eventuell die Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen im Hintergrund, die in der Abschlussarbeit angesprochen wurden.

Guten Tag, mein Name ist Bernd Beispiel. Ich bin seit drei Jahren Mitarbeiter der Firma Gewerbe & Co. Ich habe meine Bachelorthesis über das Thema geschrieben…“

2. Sie lesen den präzisen Titel der Thesis vor und begründen ihn.

Das Thema habe ich gewählt, weil mich schon seit Jahren die Frage beschäftigt…“

Diese Begründung für das Thema wird sehr aufmerksam angehört. Die Prüfer wollen heraushören, ob die Prüflinge nur irgendein Thema aufgegriffen haben, dass ihnen zufällig über den Weg gelaufen ist oder ob sie sich dazu vertiefte Gedanken gemacht und eine besondere Motivation für das Thema entwickelt haben.

An dieser Stelle erwähnen manche Prüflinge, dass sie die genaue Themenstellung zusammen mit ihrem Hauptprüfer formuliert hatten. In der Regel freuen sich die Hauptprüfer darüber, dass ihr Beitrag zu der Thesis erwähnt wird. Manchmal wird das auch im Protokoll erwähnt, was dann aber in der Regel von niemandem mehr gelesen wird.

Auf jeden Fall ist es aus taktischen Gründen empfehlenswert, den Beitrag der Hauptprüfer an dieser Stelle dankbar zu erwähnen, um zum einen den Prüfer „gnädig“ zu stimmen und zum anderen zu verhindern, dass er die Art der Fragestellung anspricht. Schließlich hat er sie ja mit entworfen…

Eine Erörterung der Fragestellung wäre für die Prüflinge sehr ungünstig, weil hier über hypothetische Fragen gesprochen diskutiert wird, auf die die Kandidaten gar nicht vorbereitet sind.

3. Die Prüflinge erklären, wie sie die Thesis begründet haben und wie die zentrale Fragestellung aufgebaut ist.

Die Fragestellung der Arbeit lautet…“ oder

Ich habe das Thema zunächst anhand der Literatur bearbeitet. Dabei habe ich herausgefunden, dass…“ oder

Für die Fragestellung zum Thema … habe ich einen Interviewpartner aus dem Unternehmen xy gewinnen können. Dabei stellte sich heraus…“

4. Sie erläutern¸ wie sie wissenschaftlich vorgegangen sind.

Anschließend habe ich überprüft, ob sich dieses Ergebnis in der Praxis, in meinem Unternehmen bestätigen lässt. Zu diesem Zweck habe ich…“

Das Ergebnis meiner Befragung hat gezeigt, dass…“

Diese Befragung habe ich online durchgeführt. Insgesamt haben über 50 Personen dazu eine Stellungnahme abgegeben…

5. Zum Abschluss erläutern sie das Ergebnis der Thesis, beantworten die Ausgangshypothese – und erläutern, was sich daraus für Konsequenzen ergeben.

Meine Schlussfolgerung daraus lautet: …“

In Zukunft ist darauf zu achten, dass…“

Deshalb habe ich bereits erste Gespräche mit der Geschäftsleitung geführt. Die Resonanz darauf war vielversprechend.“

In diesem Zusammenhang habe ich mir die Frage gestellt, ob nicht auch die entsprechenden Vorschriften/gesetzlichen Regelungen der neuen Sachlage entsprechend angepasst werden sollten…

Manche Kandidaten gehen in der mündlichen Prüfung ausführlich auf die verwendete Literatur ein. Das ist taktisch unklug, denn sie öffnen damit Raum für unangenehme Fragen. Beispielsweise: „Warum haben Sie den Autor xy nicht erwähnt?“

Außerdem verschwenden sie wertvolle Zeit mit Nebensächlichem, die besser investiert wäre, indem sie interessante Fragestellungen nennen oder über weitergehende Forschungsergebnisse berichteten…

 

 

Merke Bemerkungen zur verwendeten Literatur sind gefährlich!

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