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6. Fehler: Keine Einstimmung auf die Teilnehmer!

Wer ist eigentlich bei der mündlichen Prüfung anwesend?

 

Dr. Joachim von Hein, seit über 20 Jahren staatlich bestellter Prüfer, antwortet:

Im Kolloquium sitzen in der Regel zwei Prüfer, ein Hauptprüfer und ein Zweitprüfer. Die Hauptprüfer stellen fast alle Fragen. Die Zweit- oder Nebenprüfer richten, wenn überhaupt, nur ein oder zwei ergänzende Fragen an die Kandidaten.

Die Neben- oder Zweitprüfer sind mit der Abschlussarbeit weit weniger vertraut. Das Prüfungsamt benennt sie manchmal erst kurz vor der Prüfung. Sie haben die Abschlussarbeit häufig nicht sorgfältig gelesen. Sie kennen den Entstehungsprozess der Arbeit kaum. Sie verstehen manche Besonderheiten oder Fragestellungen gar nicht.

 

Von den Zweitprüfern könnten theoretisch kritische Anmerkungen oder bohrende Fragen kommen. In der Praxis kommt das selten vor. Es gilt die Regel: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!“

Die Zweitprüfer fragen nicht streng nach, weil beim nächsten Kolloquium die Konstellation genau umgekehrt ist: Der jetzige Zweitprüfer ist dann der Hauptprüfer und freut sich, wenn er seine Kandidaten gut durchs Examen bringt. Gute Zensuren in Prüfungen sprechen sich herum. Die Studierenden suchen sich gerne milde Prüfer für ihre Prüfung aus.

Für manche Lehrbeauftragte spielt es eine wichtige Rolle, dass viele Studierende sie ansprechen. Es ist für sie ein Ausdruck der Bestätigung und der Anerkennung. Vielleicht genießen sie auch das Gefühl Prüfer zu sein. Möglicherweise geht es dem einen oder anderen schlicht um das (nicht besonders hohe) Prüferhonorar, das allerdings nicht an allen Fachhochschulen und Universitäten vorgesehen ist …

Häufig sitzen Protokollanten mit dabei, sofern die Prüfer nicht selber Protokoll führen. Eventuell (selten) sitzt noch ein übergeordneter Prüfer mit dabei, der Leiter des Prüfungsamtes, der Präsident oder der Kanzler der Hochschule oder weitere Hochschullehrer. Gelegentlich kommt von deren Seite eine Zusatzfrage.

Eventuell sind noch weitere Gäste anwesend, zum Beispiel Kommilitonen, denen eine Prüfung bevorsteht. Sie stellen keine Fragen. Sie sitzen still im Hintergrund und beobachten das Geschehen.

In manchen Prüfungsordnungen ist es erlaubt, dass Studierende, denen ein Kolloquium bevorsteht, einmal dabei sein dürfen, um Erfahrungen zu sammeln. Die Voraussetzung ist, dass weder die Prüflinge, noch die Prüfer Einwände vorgebringen.

Mündlichen Prüfungen von Doktorarbeiten, ein Rigorosum oder eine Disputation dagegen sind oft universitätsöffentlich, das heißt, alle Studierenden oder Hochschullehrer könnten daran teilnehmen – allerdings dürfen sie in der Regel keine Fragen stellen.

Je nach Prüfling erleichtern zusätzliche Gäste die Prüfungsatmosphäre oder erschweren sie. Rhetorisch geschickte Kandidaten begrüßen es, wenn sie mehr Publikum haben – weniger gute Rhetoriker fühlen sich von zusätzlichen Zuhörern gehemmt.

Wer sich als Prüfling mehr Publikum wünscht, beispielsweise vertraute Kommilitonen um sich haben möchte, bittet sie, am Kolloquium teilzunehmen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen.

 

 

Merke Als Gast bei einer Prüfung dabei zu sein, ist eine wertvolle Erfahrung!

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