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16. Fehler Falsches Zeitmanagement!

Warum geraten so viele Prüflinge im Kolloquium in Zeitnot?

Dr. Joachim von Hein, seit 20 Jahren staatlich bestellter Prüfer und Dozent, antwortet:

In der Praxis passiert es häufig, dass die Prüflinge in den ersten Minuten ihres Vortrages auf die neugierigen Augen der beiden Prüfer reagieren und lange erzählen. Diese Zeit hatten die Kandidaten für die Präsentation gar nicht vorgesehen. Die Folge ist die bereits angesprochene Zeitnot am Ende.

Aus ähnlichen Gründen sind Filmsequenzen in einer Präsentation zu vermeiden. Dies ist einmal eine gefährliche Ursache für technische Probleme. Der Film läuft nicht richtig an und er lenkt unnötig vom wissenschaftlichen Kern ab. Der besteht darin, die Ergebnisse der Abschlussarbeit zu präsentieren – statt Dokumentationsmaterial zu liefern.

Ein Film übernimmt automatisch die Regie. Die Prüflinge geben das Zepter aus der Hand. Sie flüchten vor ihrer eigentlichen Aufgabe. Wenn sie dann noch in den Film hineinreden und ergänzende Kommentare abliefern, hinterlässt das einen negativen Eindruck. Außerdem sind zwei gleichzeitige Kommentare (vom Film und vom Sprecher) unverständlich.

Bei einer Thesis zum Thema Qualitätsmanagement wäre es beispielsweise verführerisch, typische Qualitätsmängel ausführlich mit Fotos und Filmmaterial vorzuführen. Das ist aber gar nicht das Thema, – denn es geht meistens um die Frage, wie diese Probleme gelöst werden und die Qualitätsmängel künftig vermeidbar sind.

In diesem Fall geht es um das Erreichen einer besser organisierten Zukunft, die es zum Zeitpunkt des Abfassens der Thesis noch nicht gab – und die daher (noch) nicht fotografierbar ist.

Der Blick vieler Bachelor- oder Masterarbeiten ist auf die Zukunft gerichtet. Nur bei speziellen Themen – beispielsweise bei historischen – thematisieren sie eine neue Interpretation der Vergangenheit!

Viele Kandidaten halten sich nicht an ihren eigenen Zeitplan. Sie erzählen am Anfang zu ausführlich. Man sagt, sie „verquatschen“ sich. Dieser schwerwiegende Fehler passiert bei jeder vierten bis fünften Prüfung.

Die Folge ist, für den spannendsten Teil der Abschlussarbeit, das Ergebnis, bleibt zu wenig Zeit. Der Bericht über das Fazit der Thesis ist der wissenschaftliche Höhepunkt der Abschlussprüfung. Die Prüflinge öffnen den „Schatz“, den sie in den langen Monaten der Bearbeitung des Themas zusammengetragen haben.

Beispielsweise erbringt ein Prüfling in seiner Thesis den Nachweis, dass es neue Verfahrensweisen gibt, die im Vergleich zu anderen viel günstiger wären. Möglicherweise hat diese Entdeckung eine ähnliche Bedeutung wie ein Patent. Wenn niemand dessen Wert erkennt, verschwindet es in den dunklen Kellern der Hochschularchive!

Wenn Prüflinge sich lange damit aufhalten, die spannende Geschichte zu erzählen, wie sich ihre Fragestellung entwickelte, geht viel wertvolle Zeit verloren. Am Ende deuten sie ihre Entdeckung nur kurz an – dann ist die Prüfungszeit abgelaufen! Das Highlight der Arbeit wurde gar nicht angesprochen – und die Zensur fällt mäßig aus…

Durch die Zeitverschwendung zu Beginn entstand Zeitmangel. Für das Ergebnis der Thesis bleibt zu wenig Zeit. Die Prüflinge dürfen nur noch wenige Worte sagen. Für eine Würdigung der Besonderheiten, beziehungsweise das Aufzeigen von Konsequenzen bleibt keine Zeit mehr. Damit verpufft der Haupteffekt mancher herausragenden Abschlussarbeit.

 

Merke Zeitdisziplin ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Note!

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